Amuvee: die digitale Unterstützungsplattform für Alleinerziehende

Am 15. Mai ist Internationaler Tag der Familie – und die wird heute vielfältig gelebt. Es gibt Patchworkfamilien, Regenbogenfamilien, Großfamilien, Kernfamilien – und immer mehr Einelternfamilien. Allein in Deutschland leben fast 3 Millionen Menschen als alleinerziehende Mütter oder Väter. In Baden-Württemberg sind es nach der letzten Erhebung des Statistischen Landesamts 332.000. Sie tragen die Verantwortung für Beruf, Kinder, Haushalt und alles, was dazugehört – oft ohne den Rückhalt eines zweiten Elternteils.

 

Wer ein Kind (oder mehrere) alleine großzieht, kennt den Spagat: Frühbetreuung organisieren, pünktlich im Job erscheinen, Unterhalt einfordern, Förderanträge stellen, abends trotzdem noch präsent sein – und das alles ohne den Überblick zu verlieren. Alleinerziehende kämpfen im Alltag an vielen Fronten gleichzeitig, und das mit deutlich weniger zeitlichen, finanziellen und emotionalen Ressourcen als Familien, in denen sich zwei Elternteile die Last teilen.

Es gibt zwar Hilfen – von staatlichen Fördermitteln über lokale Beratungsstellen bis hin zu Netzwerkangeboten. Das Problem ist nur: Wer soll all das finden, wenn man ohnehin kaum Zeit hat, stundenlang im Internet zu recherchieren?

Genau hier setzt amuvee an. Wir haben die Plattform www.amuvee.de unter die Lupe genommen.

 

Was ist amuvee?

amuvee ist Deutschlands erste digitale Plattform, die sich gezielt an Alleinerziehende richtet. Das gemeinnützige Projekt wurde von Annett-Katrin Wohlgemuth und Sigrid Egner gegründet – beide aus dem Bankensektor, beide mit Herzblut für das Thema Chancengerechtigkeit und beide selbst eine Zeit lang alleinerziehend. Getragen wird die Plattform von der AFQ | Service gGmbH mit Sitz in Karlsruhe – also direkt aus Baden-Württemberg. Heute führen Annett-Katrin Wohlgemut und Ammon-Mino Stretz die Geschäfte. amuvee steht für: „alleinerziehende mütter und väter engagiert empowern“.

Die Vision hinter amuvee ist klar formuliert: Alleinerziehende sollen in drei Minuten alles finden, was ihr Leben unterstützt. Keine stundenlange Suche, kein Durchforsten von Behördenwebseiten, kein Förderdschungel. Stattdessen: ein niedrigschwelliger, kostenloser Zugang zu Informationen, Beratung, Veranstaltungen und Community – rund um die Uhr, per Web oder App.

 

Die Funktionen im Überblick

Der Finder – das Herzstück der Plattform

Das Kernstück von amuvee ist ein intelligenter digitaler Finder. Wer die Plattform besucht, beantwortet eine übersichtliche Fragemaske zu der eigenen Lebenssituation – etwa zur Anzahl der Kinder, zur Wohnsituation oder zum Einkommen. Auf Basis dieser Angaben werden passende Unterstützungsangebote herausgefiltert, aufgeteilt in leicht verständliche Kategorien wie Geld, Beruf, Erziehung, Gesundheit, Wohnen und mehr.

Das ist kein simples Suchfeld, sondern ein ausgefeilter Algorithmus, der lokale und überregionale Angebote bündelt und individuell filtert. So findet man zum Beispiel:

  • Informationen zum Kinderzuschlag und wie man ihn beantragt
  • Hinweise auf den Landesfamilienpass (ermäßigter Eintritt zu Schlössern, Museen und Gärten – auch für Alleinerziehende!)
  • Kostenlose Rechtsberatung bei Trennungsfragen
  • Eltern-Kind-Kuren und Gesundheitsangebote der Krankenkassen
  • Ergänzende Kindertagespflege oder Familienpaten für den Alltag

Der Finder deckt mittlerweile 11 Bundesländer und über 150 Städte ab – darunter zahlreiche Standorte in Baden-Württemberg.

Im Finder füllen Alleinerziehende persönliche Angaben zu Lebenssituation, Kindern, Versicherungen, Beschäftigungs- und Wohnsituation aus.
Screenshot 1
Screenshot 2
Auf Basis der verschiedenen Angaben erscheinen am Ende alle Beratungs- und Unterstützungsangebote, die für die persönliche Situation passend sind.
Screenshot 3

Community und Vernetzung

Neben dem Finder bietet amuvee eine aktive Community, in der sich Alleinerziehende auf Augenhöhe austauschen können – mit anderen Betroffenen, aber auch mit Beratenden im 1:1 Coaching. Verschiedene Gruppenchats (erfordern ein persönliches Profil in der App) ermöglichen allgemeine Vernetzung und Austausch zu Spezialthemen wie Geld, Kindern im neurodiversen Spektrum oder alleinerziehend nach Verlust eines Partners oder einer Partnerin. Wer möchte, kann sich auch zu kostenfreien Workshops zu Themen wie Recht, Finanzen und Selbstfürsorge anmelden. Auch einen monatlichen Newsletter gibt es im Angebot.

 

Die App – Hilfe immer dabei

Seit 2024 gibt es amuvee auch als App für iOS und Android. Damit ist die Plattform wirklich immer griffbereit – auf dem Weg zur Kita, in der Mittagspause, abends auf dem Sofa. Die App enthält viele Kernfunktionen: Aktuelles, Veranstaltungsanmeldung zu den vielen Workshops und Events sowie eine praktische Hilfebox mit Infos oder Checklisten zu Kinderbetreuung, Unterhaltsvorschuss, Wohngeld oder Scheidungsfragen. Wer sich ein kostenfreies Profil in der App anlegt, kann auf weitere Funktionen wie den Finder, weitere Checklisten oder auch Chat- und Gruppenfunktionen zugreifen. Das Projekt wurde mit dem 3. Preis der Ferry Porsche Challenge 2024 ausgezeichnet.

Ansichten aus der Smartphone-App zu Inhalten der Hilfebox (l.), Events (m.) und Gruppen (r.)  - zum Vergrößern anklicken

Unser Testurteil

Bedienung:⭐⭐⭐⭐⭐

amuvee ist intuitiv und selbsterklärend. Die Fragemaske des Finders führt Schritt für Schritt durch die eigene Lebenssituation – ohne Fachwissen, ohne Bürokratiesprache. Wer ein Smartphone bedienen kann, kommt problemlos zurecht. Auch die App überzeugt: klare Struktur, schnelle Ladezeiten, keine überladenen Menüs. 

 

Verständlichkeit:⭐⭐⭐⭐⭐

Ein großes Plus ist die durchgehend klare, alltagsnahe Sprache. Keine Paragraphen, keine Amtsdeutsch-Barrieren. Die Inhalte sind so aufbereitet, dass man schnell versteht, was ein Angebot bedeutet, wer Anspruch hat und wie man es in Anspruch nimmt. Auch Menschen, die mit sozialen Unterstützungssystemen wenig vertraut sind – oder deren Muttersprache nicht Deutsch ist (die Plattform wird teilweise auch auf Ukrainisch und Russisch angeboten) – finden sich gut zurecht.

 

Umfang:⭐⭐⭐⭐⭐

Die Themenbreite ist beeindruckend. Von Geld und Wohnen über Beruf und Kinderbetreuung bis hin zu Gesundheit, Freizeit und Krisenunterstützung – amuvee deckt die gesamte Lebenswirklichkeit Alleinerziehender ab. Ergänzt wird das Informationsangebot durch Workshops, einen monatlichen Newsletter, Social-Media-Inhalte (z. B. Finanztipps auf Instagram) und die Community. Auch ein KI-gestützter Chatbot „Amelie“ für rund-um-die-Uhr-Beratung steht zur Verfügung.

 

Passgenauigkeit für die Zielgruppe:⭐⭐⭐⭐⭐

amuvee kennt und adressiert die Schmerzpunkte Alleinerziehender: zu wenig Zeit, zu wenig Geld, zu wenig Energie und zu oft das Gefühl, allein damit zu sein. Genau deshalb ist alles auf Einfachheit, Schnelligkeit und Niedrigschwelligkeit ausgelegt. Keine Kosten, keine Hürden. Die Kombination aus lokalem Angebotsnachweis, Community und konkreten Fördertipps macht amuvee zu einem echten Alltagshelfer.

 

Fazit

Amuvee ist eine passende Alltags-Unterstützung für alle Alleinerziehenden. Die Plattform schließt eine wichtige Lücke: Sie macht sichtbar, was an Hilfe existiert, und bringt es dorthin, wo es gebraucht wird – direkt ins Smartphone oder auf den PC.

Denn Familie ist vieles. Und jede Familienform verdient die Unterstützung, die sie braucht.

Hier geht es zum Internetauftritt der Plattform. Die App ist kostenlos im App Store und bei Google Play erhältlich.