Im Gespräch mit Maja Iris Merz, freiberufliche Singer-Songwriterin

Liebe Frau Merz, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Wenn ich keine Musik produziere, male ich – wenn ich nicht male schreibe ich Gedichte und dazwischen schneide ich Musikvideos. Ich bin gebĂĽrtige Stuttgarterin. Aktuell studiere ich im Master Audiovisuelle Medien an der HdM. Dort bekomme ich die technischen Werkzeuge an die Hand um kreative Ideen direkt umsetzen zu können. Als Multiinstrumentalistin nehme ich neben meinem Gesang auch die Instrumentalteile meiner StĂĽcke auf. Vom Songwriting ĂĽber das Marketing bis zum Veröffentlichen der Musikvideos kann ich so meine Produktionen selbst erarbeiten und veröffentliche aktuell mein erstes Album. In meinem Studio kann ich meiner Leidenschaft Musikproduktion nachgehen und Texte ĂĽber das schreiben, was mich bewegt.
Wie kamen Sie auf die Idee den Song Eva, in dem es um das Thema Gleichstellung geht, zu komponieren? Was ist Ihnen dabei wichtig?
Der Gedanke zu einem Lied über Gleichstellung spukte mir schon eine Weile im Kopf herum. Vor meinem Studium an der HdM war ich für Maschinenbau an der Uni Stuttgart eingeschrieben, wo Frauen eine Rarität waren. Trotz sehr netter Kommilitonen wurde ich immer wieder daran erinnert, dass ich als Frau eine Ausnahmeerscheinung war.

Zum Studiengangwechsel hat mich das nicht bewegt, sondern die Aussicht auf einen technischen Beruf mit mehr kreativen Anteilen. Trotzdem hat mir die Zeit klar gemacht, dass Gleichstellung kein Thema ist, das der Vergangenheit angehört.

Die richtigen Worte fĂĽr das Lied haben mich gefunden, nachdem ich gelesen hatte, dass in der aktuellen Pandemie vor allem Frauen die Leidtragenden sind. Ich habe mir die Frage gestellt, welche Mechanismen immer noch dazu fĂĽhren, dass Frauen weniger oft in FĂĽhrungspositionen sind, weniger verdienen und folglich die sind, die dann eher im Job auf die Bremse treten, wenn zu Hause mehr Aufgaben anfallen.

Die deutsche Musikszene ist nach wie vor männerdominiert: Wie könnte mehr Gendergerechtigkeit in der Musikbranche erreicht werden?
Programme, wie „Zukunftsmusik“ vom Pop-BĂĽro, bei dem ich die letzten Monate als Mentee teilnehmen durfte sind ein wichtiger AnstoĂź. Newcomerinnen bekommen dabei Mentorinnen zur UnterstĂĽtzung fĂĽr den Start in die Branche. Auch Datenbanken, wie von Music Women Germany, wo Frauen in der Branche besser sichtbar und auffindbar werden, sind eine Hilfe.

Ich glaube, dass Wissen der SchlĂĽssel zur Lösung vieler Probleme ist. Gut bezahlt sind Jobs, fĂĽr die man hochqualifiziert sein muss, die wenige machen möchten, oder fĂĽr die nur wenige geeignet sind. Wer viel weiĂź und dadurch selbstbewusst und unabhängig ist, ist in einer besseren Verhandlungsposition, als jemand, der Angst hat, Fragen zu stellen oder gestellt zu bekommen. Erfahrungsgemäß sind technische Bereiche auch in der Musikbranche Männerdomänen. Wem man in der Schule die Scheu vor technischen Schaltungen, Physik und Technik nimmt, der hat später keine Angst vor Mischpulten. AuĂźerdem sollten Frauen spezifisch fĂĽr Gehaltsverhandlungen geschult werden. Denn wer einfach zu „nett“ ist, wird schlechter bezahlt.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist in Bereichen, bei denen Tourneen in irgendeiner Form stattfinden ausbaufähig. Das Gefühl, als Frau Fuß gefasst haben zu müssen, bevor man Kinder bekommt, ist in einer Branche, die ewig jung wirken möchte, definitiv präsent. Je mehr Vorbilder es für jüngere Frauen in der Branche gibt, desto geringer werden die Berührungsängste.

Abgesehen davon steht die Musikbranche auf den Träumen und Leidenschaften der Musikschaffenden. Mit zunehmender Wichtigkeit der Streamingdienste wird in einem demokratischen Prozess Musik immer billiger. Auch hier sehe ich die Gefahr, dass am Ende dort gespart wird, wo jetzt schon weniger verdient wird – bei den Frauen.