Interview mit Dr. Hannah Böhrk, Luft- und Raumfahrttechnikingenieurin

© Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V

Liebe Frau Dr. Böhrk, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Ich bin promovierte Ingenieurin der Luft- und Raumfahrttechnik und arbeite seit fast 15 Jahren am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) an Material- und Strukturfragestellungen für Raumfluggeräte. Dort forsche und entwickle ich als stellvertretende Abteilungsleiterin mit einer kleinen Gruppe an Thermalschutzkonzepten und neuartigen Materialanalysen für Raumfahrzeuge.  Und tatsächlich gehören auch spannende experimentelle Raumflüge in mein Repertoire.

Mit meinem Mann, meiner siebenjährigen Tochter und meinem dreijährigen Sohn lebe ich inmitten von Stuttgart. Als engagierte Wissenschaftlerin erlebe ich, dass in meinem Arbeitsumfeld wirklich wenig Frauen tätig sind (<15%) und das klassische Modell – er verdient die Brötchen, sie kĂĽmmert sich um die Kinder und den KĂĽhlschrank – quasi der Normalfall ist. Hier muss dringend modernisiert werden! Wie zeitgemäß Rollenverteilung heute funktioniert, sehe ich oft in meinem Bekannten- und Freundeskreis – ich lerne immer noch dazu!

Wie gestaltet sich aus Ihrer Sicht die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Hochschul- bzw. Forschungssektor?
Seit gut sechs Jahren bin ich auch nicht mehr nur die einzige Frau in meiner zwanzigköpfigen Abteilung. Ich unterscheide zwischen Kompatibilität und Karrierechancen. Als Angestellte des Bundes an einer außeruniversitären Forschungseinrichtung, gibt es gute Möglichkeiten zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gerade jetzt, in Zeiten der Corona-Pandemie, hat der Bund für Eltern von Kindern unter 12 Jahren zusätzliche Urlaubstage gewährt. Das ist wirklich super!

Es gibt zudem schon lange flexible Arbeitszeitmodelle. Diese erlauben, sowohl in Telearbeit, also außerhalb des Büros zu arbeiten, aber auch, die Arbeitszeit für vorher bestimmte Zeiträume zu reduzieren und diese später dann garantiert wieder aufzustocken.

Dass es diese Regelungen gibt, heißt aber nicht immer, dass die Anträge auch genehmigt werden. Die (zumeist männlichen) Vorgesetzten stehen der Telearbeit oft skeptisch gegenüber. Dank Corona wird die Praxis des mobilen Arbeitens jetzt aber doch gelebt und gerade Eltern profitieren von der umgesetzten Flexibilisierung. Wir werden sehen ob Frauen auf lange Sicht davon profitieren können.

Der Frauenanteil in der Professorenschaft ist nach wie vor gering. Wie könnten mehr Professuren von Frauen besetzt werden?
Wie wir gerade erleben, kann man dieses Problem leider nicht nur einfach durch Regelungen ausgleichen. Ich glaube, es gibt nach wie vor viele bewusste und sehr antiquierte Denkmuster in den Köpfen – aber auch unbewusste. Meine Vermutung ist, dass in den starken, nahezu starren Hierarchien der Universitäten unweigerlich nach Persönlichkeit und »Passfähigkeit« zur bestehenden Fakultät ausgewählt und auch herangezogen wird. Da entsteht leicht das immer gleiche Muster.

Quoten sollen ja diese Systeme stören und die Auswahlmuster aufbrechen. Dann gibt es natürlich Programme, die sich bereits an die vom »Netzwerk« ausgeschlossenen Frauen richten. Aber sicher könnten (verpflichtende) Schulungsprogramme den Kommissionsmitgliedern helfen, sich aus unbewussten Denkmustern zu befreien. Auch ein »sich Auseinandersetzen müssen« mit diversen Menschen, beispielsweise im Rahmen eines Mentoringprogramms, kann Vielfalt in Auswahlentscheidungen begünstigen. Das wird durch Studien belegt.

 

 

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Im Gespräch mit der Finanzberaterin Dr. Verena Stephan

Warum ist es so wichtig, dass Frauen sich frühzeitig mit der Altersvorsorge beschäftigen?
Viele Frauen führen 20 Jahre oder mehr den Haushalt, kümmern sich um die Kinder oder auch die Eltern und vergessen, mit den Partnern oder Ehemännern über ihre eigene finanzielle Absicherung zu sprechen. Die meisten Frauen fangen dadurch leider erst mit Mitte bis Ende 30 an, sich um ihre Altersvorsorge zu kümmern. Die Folge ist, dass sie nicht nur viele Jahre verpassen, in denen ihr Erspartes wachsen könnte, sondern sie müssen außerdem monatlich viel höhere Beiträge aufbringen, um Ihre finanziellen Ziele zu erreichen. Um dies zu vermeiden, ist es unerlässlich, möglichst früh damit anzufangen, sich mit der eigenen Altersvorsorge zu beschäftigen.
Unsere Lebenserwartung ist so hoch wie noch nie: Wie kann finanzielle Freiheit auch in hohem Alter ermöglicht werden?
Steigende Lebenserwartung, historisch niedrige Zinsen sowie die Inflation sind die grundlegenden Einflussfaktoren fĂĽr die Gestaltung der Altersvorsorge. Eine frĂĽhzeitige Beschäftigung mit den eigenen Finanzen ermöglicht finanzielle Freiheiten – auch im hohen Alter. Wichtig ist dabei natĂĽrlich, dass die Investitionen der eigenen Risikoneigung entsprechen sowie auf die eigenen Ziele abgestimmt sind. Die moderne Altersvorsorge stellt dabei eine Mixtur von Rentenversicherungen – fĂĽr die lebenslange Versorgung – und individueller Geldanlage – fĂĽr die Flexibilität – dar. Dabei sollten sowohl Versicherungen, als auch freie Geldanlagen zu einem selbst passen und gleichzeitig so flexibel wie möglich sein, um auf die Veränderungen des Lebens auch in der Einzahlphase gewappnet zu sein.
Viele Frauen mit Kindern arbeiten in Teilzeit. Wie wirkt sich dies auf die Rente aus? Und wie kann ein fairer Ausgleich unter Paaren fĂĽr die Sorgearbeit zustande kommen?
Teilzeit ist sinnvoll, solange die Kinder klein sind. Viele Mütter sind aber auch dann noch in Teilzeit, wenn die Kinder älter und selbständiger sind. Und damit laufen sie in die Armutsfalle, sofern nicht ein Ausgleich über das Haushaltseinkommen stattfindet.

Bleibt eine Frau beispielsweise nur drei Jahre wegen der Kinder zu Hause und arbeitet dann zehn Jahre in Teilzeit, verliert sie später – ganz grob gerechnet – ca. 300 Euro pro Monat an gesetzlicher Rente.

Im Jahr 2015 betrug die gesetzliche Rente bei ca. 70 Prozent aller Rentnerinnen in Deutschland weniger als Hartz IV. Damit solche Lücken gar nicht erst entstehen, sollten die Ausfälle durch Kinderbetreuung und Teilzeit direkt ausgeglichen werden. Sprich: Ein Teil des Familieneinkommens wird in die private Altersvorsorge der Frau eingezahlt – oder natürlich auch des Mannes, wenn die Frau Hauptverdienerin ist. Doch um welche Beträge geht es da? Das hängt natürlich stark vom jeweiligen Einkommen ab. Ganz pauschal kann gesagt werden, dass 10 bis 15 Prozent des Nettoeinkommens in die private Vorsorge fließen sollten. Hinzu kommen die Beträge, die bei der gesetzlichen Rente verloren werden. Dieser Betrag kann leicht selbst ausgerechnet werden oder auch bei der gesetzlichen Rentenversicherung erfragt werden.

Solche Beträge haben viele junge Familien vielleicht nicht auf der Seite. In diesen Fällen sollte zumindest dafür gesorgt werden, dass abwechselnd in die private Altersvorsorge eingezahlt wird. Also ein paar Jahre für die Frau, ein paar Jahre für den Mann. Der jeweils andere Vertrag ruht solange. Wichtig ist einfach, dass am Ende nicht der eine mit einer ausreichenden Rente dasteht und der andere fast nichts hat. Spätestens wenn ein Kind da ist und zusammen überlegt wird, wie Arbeits- und Familienzeiten aufgeteilt werden, sollten auch die Finanzen geregelt werden.

 

 

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